Sie

In seinen letzten Augenblicken auf Erden hat er noch einmal die Chance, sich mit einem seiner Lieben zu unterhalten.

Er wählte sie.

Paradoxer Weise die einzige, die er hatte nie erreichen können. Die, die ihn viel Ruhelosigkeit und Tränen abverlangt hatte.  Mit ihr wollte er noch einmal sprechen.

Er: “Nun sieh mich, oh meine große Liebe und sage mir, dass du es nicht bedauerst! Schau mich an und erkenne deine Unvernunft, dass du nicht mich erwähltest, als deine Liebe!”

Sie sah ihn an, lange und ausgiebig. Sah seinen geschunden Körper, seine grauen Haar, seine Falten, seine eingefallenen Wangen, sein Alter.

Sie: “Ich erkenne keine ‘Unvernunft’, wie du sagst, in meiner Entscheidung. Du hast dein ganzes Leben mir hinterhergejagt. Jetzt stehst du vor mir und kannst mich immer noch nicht vergessen. Soll ich einen solchen Mann wirklich lieben der aus einer flüchtigen Leidenschaft eine Obsession, eine Sucht macht? Sage mir, was wäre passiert, wenn ich deinem Drängen nachgegeben hätte? Wärst du dann glücklich?”

Er blickte sie mit großen Augen an. Dann fingen seine Augen an zu weinen und er ging vor ihr auf die Knie.

Sie: “Nein wärst du nicht. Du würdest mich dafür verachten, weil mit mir dann in deinen Augen etwas nicht stimmt, denn eigentlich bist du nur ein von Selbsthass zerfressener Idiot.”

Mit diesem Worten wurde sein Geist klar. Er erkannte, dass er mit ihr nie hätte glücklich werden können und stellte in den letzten Minuten, die ihn noch blieben fest, dass er besser mit sich selbst hätte reden sollen.

Er verschwand.

Wörter: sind da

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