Lange schrieb ich keinen Rundumschlag, weil mir einfach die Muse fehlte wirklich ein Thema zu finden, über was ich mich aufregen und noch dazu genug Hintergrundinformationen finden kann. Aus diesem Grunde verpacke ich einfach ein Erlebnisbericht in einem Rundumschlag und schreibe dazu meine Meinung.
Jetzt sind ein paar Tage ins Land gezogen, und ich hatte genug Gelegenheit, mir über die GamesCom so meine Gedanken zu machen und mir diverse Ereignisse wieder in mein Gedächtnis zu rufen.
Als jemand der sich schon bei der GamesConvention geschworen hatte nie wieder auf deine derartige Großveranstaltung zu gehen, war meine Meinung natürlich ein wenig voreingenommen. Vielleicht bin ich auch nur frustriert, weil mich die GC dazu verleitet hatte Gothic 3 zu kaufen, die Collectors Edition (bitte kein Mitleid, ob meiner Dummheit). Auch wollte ich nie nach Köln gehen, da diese Säcke den armen Leipzigern die GamesConvention de facto geklaut haben. Als damals die Idee mit der Convention entstanden ist, wollte keine Stadt außer eben Leipzig diese Messe veranstalten. Jetzt aber, wo die Städte gemerkt haben, was für ein Potenzial hinter Games steckt, konnten sich die Messeveranstalter natürlich kaum retten, vor Angeboten. Das Problem war, dass ich diesmal als Aussteller für Spawnpoint hin musste und somit nicht wirklich eine Wahl hatte mich zu verweigern.
Was musste ich machen? Ich war einer der Standbetreuer für Artworks. Generell musste ich erstmal erklären, was wir eigentlich machen, also im ersten Modul eine Community, auf der sich interessierte Spieler anmelden können und ihre Bilder zu Spielen (Screenshots oder nicht sei mal dahin gestellt) hochladen und darüber zu diskutieren. Im zweiten Modul einen Contest, bei dem (sinnigerweise) die Künstler (bewusst ohne Anführungsstrichen) gegeneinander angetreten sind und um Ehre, Ruhm und Preise gekämpft haben. Die besten wurden von einer Fachjury ausgewählt und kamen in eine Wanderausstellung, wovon eine Station die GamesCom war (aktuell ist sie in der Stadtbibliothek in Köln). Im dritten Modul auch Artworks-School geht es schlichtweg darum diese Auseinandersetzung mit dem Spiel und die künstlerische Bearbeitung zu erlernen und als medienpädagogisches Workshopangebot evtl. weiter zu benutzen, sei es in Jugendhäusern oder auch – und das wäre sogar noch besser – in Schulen. Dabei hatte ich interessante Gespräche mit ein paar angehenden Medienpädagogen, mit durchaus offenen Eltern (sie sind mit ihren Kindern ja schließlich auf die GamesCom gegangen, also war das schon irgendwie klar) und auch mit einigen IT-Kollegen (als zukünftiger Student der Angewandten Informatik kann ich das sagen). Besonders lustig waren die Gespräche mit den nicht deutschsprechenden Personen: Mit einen Holländer hatte ich ein Gespräch über seine Zocker-Vergangenheit, dass er auf riesigen Mainframes in den Sechzigern ein Pong-ähnliches Spiel gespielt hat. Eine Französin hatte meine Informationen für ihre Familie auf französisch übersetzt und ich musste ihr drei mal sagen, dass wir hier keine Spiele anbieten. Mit einer Türkin habe ich ein wenig geflirtet (wenn das keinen Ärger gibt) und ihr mitgeteilt, dass sie doch schon unmöglich Mutter sein kann, das sie doch nicht älter als zwanzig ist. Alles in allen waren diese Gespräche doch wesentlich erhebender als erwartet.
Als Teil der Artworks-School haben wir uns mit vier Rechnern dort aufgebaut und die vorbeiziehenden Massen dazu animiert doch mal selber zu versuchen, ob man mit Spielen wirklich Kunst erschaffen kann. Nebenbei erschuf ich selber noch ein paar Kunstwerke (auch auf unseren großen Fernseher), wobei ich auf dieses ganz besonders stolz bin. Im Nachhinein kann ich sagen, dass die meisten einzig und alleine nur da waren um zu Zocken. Wobei hier Portal der Renner war. So toll und wunderbar dieses Spiel auch ist, aber ich kann die dauerhafte Faszination nicht verstehen, auf einer Messe, wo Bioware-Spiele sind. Und einst noch, was soll das Gesieze? Bin ich wirklich schon so alt, dass man mich siezen muss? Jeden der kleinen Dämonen, die mir ein “Sie” um Ohren gehauen hat, hätte ich am liebsten gleich quer durch Köln gestreift. Pah…
Tja, was kann ich noch sagen? Es gibt entschieden zu viele Menschen auf der Welt und des gibt entschieden zu viele Menschen, die anscheinend nichts besseres zu tun haben, als sich stundenlang in irgendeiner Schlange anzustellen, nur damit man mal für fünf oder sechs Minuten ein Spiel spielen kann, welches ersten noch nicht fertig ist und zweitens wahrscheinlich erst in ein paar Monaten rauskommt, nur um sagen zu können: “Ja, ich habe das Spiel als erster gespielt.” Auch werde ich diese Give-away-Jagd nie verstehen. Wie kann man nur derart hinter Schlüsselanhänger, T-Shirts, Buttons, Kulis oder diversen anderen Nonsens hinterher sein? Was ich stattdessen interessanter fand, war die Möglichkeit – zu mindestens im Competence-Bereich – diverse Magazine und auch Bücher (eine Spezialfähigkeit vom Peter: Er geht auf eine Messe mit Spielen und findet mit einer Wahrscheinlichkeit von hundert Prozent die einzigen Bücher.^^) kostenlos zu beziehen. Gut in Ordnung, ein bisschen Nippes habe ich mir auch besorgt. Aber auch nur, weil man dort Fragen beantworten musste. Die Drogenhilfe Köln hat nämlich USB-Armbänder rausgehauen und um diese zu bekommen mussten schließlich Fragen über Spiele und Spielverhalten beantwortet werden. By the way: 2 Millionen Online-Süchtige? Wer legt das fest? Ab wann ist man Online-Süchtig? Wobei die Webseite von denen doch schon was hat und sich der Peter überlegt, ob er das nicht vielleicht so ähnlich auf seiner eigenen Webseite versucht.
Ein kurzer Einwurf zum Competence-Bereich: Kann es sein, dass dieser meiner Meinung nach schon wichtige Bereich bei den meisten Berichterstattungen komplett ignoriert wird? Ich habe bis jetzt keinen Artikel gelesen oder keinen Beitrag gesehen, in der dieser auch nur erwähnt wurde. Versteht mich bitte nicht falsch, ich sehe schon ein, dass es hauptsächlich um die Spiele ging, aber die bewusste Auseinandersetzung mit den Spielen, wie sie teilweise in eben diesen Bereich unterstützt wird, ist doch auch ein wichtiger Aspekt, um die Spiele aus ihren Nischendasein (kann man davon überhaupt noch sprechen, seid es die Casual-Games gibt?) zu holen und gesellschaftlich Akzepttierbar machen. Das sollte vor allem von Zeitungen wie der GameStar, PCGames oder der Gee unterstützt und gefordert werden.
Die Messe war laut, zu laut. Dröhnende Kopfschmerzen und Halsschmerzen waren keine Seltenheit nach einen Tag. Zumal es ja auch schwierig ist, wirklich kreativ tätig zu sein, wenn im Hintergrund eine Band in vollster Lautstärke versucht auf sich aufmerksam zu machen (haben wohl alle ein Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom). Auch zu kalt war es. Ich habe mitunter gefroren, muss aber zugeben, dass das ein generelles Problem mit den Klimaanlagen ist, sowohl in Kinos, als auch im (höhö) Zug.
Da lob ich mir doch, dass ich als Aussteller in die Buisness-Area hinein darf. Dort war es angenehm ruhig, man konnte relativ günstig essen und das Beste, sich massieren lassen, wobei die Hände der Masseusen natürlich gar nichts ist gegen die Hände diverser anderer Personen, zu der man auch eine gewissen emotionale Bindung hat. Dennoch war es ganz entspannend und für den Aussteller von Welt natürlich Nichts, was er einfach so in den Wind schlägt.
Und wo wir gerade so schön bei der holden Weiblichkeit sind: die berühmt, berüchtigten Messebabes. Gibt es wirklich noch jemanden, der sich wirklich durch diese aufgepuschten, mit Make-Up verzierten Nutten, Entschuldigung Prostituierten angezogen fühlt? Ich für meinen Teil halte nichts von solchen “Frauen” (bewusst Anführungsstrichen), die mir die verfügbaren Frauen vorspielen. De facto sind mir Frauen, die nicht perfekt sind um einiges lieber, da diese durch ihre fehlende Perfektion erst wirklich in meinen Augen perfekt werden. Einzig und allein vorpubertäre Gamer scheinen von diesen angezogen zu werden.
Abschließend kann ich sagen, dass die Messe eine der anstrengendsten Wochen in meinen Leben war, aber diese Erfahrung keinesfalls missen möchte und mir überlege, vielleicht wieder hinzugehen.

