(K)eine Weihnachtsgeschichte

Es war Weihnachten. Gut es hätte auch jede andere Zeit im Jahr sein können, aber diese Geschichte spielt nun mal zu Weihnachten.

Er schlenderte durch die Straßen, ging mal in das Schmuckgeschäft, ging mal in den Elektronikfachhandel und suchte… Ja was eigentlich? Geschenke? Tand? Nein, er war alleine auf der Welt. Er hatte niemanden, dem er etwas schenken konnte. Aber was suchte er dann hier? Normalerweise war es ihm ein Graus zu Weihnachten durch die Geschäfte zu gehen. So viele Menschen waren hier, so viele glückliche Menschen. Menschen, die Geschenke für ihre Liebsten suchen. Die Mütter mit den großen Wunschlisten ihrer Kinder, der Liebende, der die letzten Reste seines Geldes zusammensucht, um seiner Angebeteten etwas zu kaufen und Horden von Ehemänner, die mal wieder nicht wussten, welches Geschenk denn für ihre Frau am besten ist.

Nur er war allein. Als einziger. Manchmal schaute er auf seine Vergangenheit und dachte mit Wehmut an alles Vergangene.

Seine Eltern starben früh. Die Mutter wurde in einem Verkehrsunfall verwickelt und starb im Krankenhaus. Der Vater, Polizist, wurde bei einem Bankraub niedergeschossen. Seine Großeltern kannte er nicht und Geschwister hatte er keine. Er war praktisch der letzte seiner Familie. Auch seine Beziehungen waren nie von Erfolg gekrönt. Bis auf bedeutungslosen Sex hatte er nie wirklich etwas zurückbekommen. Freunde hatte er keine. Die einzigen, die auch im Entferntesten seine Freunde hätten sein können, waren seine Arbeitskollegen und die waren mit sich selber beschäftigt. Er war alleine auf dieser Welt.

Was also suchte er hier?

Vielleicht, so dachte er, war das seine einzige Möglichkeit etwas Nähe und Geborgenheit zu spüren. So konnte er die Liebe der anderen sehen, die vertrauten Blicke der Pärchen, die Wärme ihrer Welt. So konnte er sich an ihnen nähren, wie ein Parasit und evtl. auch diese Feiertage wieder ohne Selbstmord überstehen.

Gott, er hoffte so sehr, dass das nächste Jahr besser wird.

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