Neues aus dem Archiv: Kriegsdienstverweigerung

In der guten alten Zeit™ (26.01.2009) war es ja so, dass man erklären musste, warum man denn lieber den humaneren Weg nehmen und keinen Dienst an der Waffe verrichten wollte. Nach stöbern in meinen alten Aufzeichnungen habe ich folgenden Text von mir gefunden:

Begründung meiner Kriegsdienstverweigerung

In den folgenden Seiten möchte ich Ihnen meine Beweggründe, den Kriegsdienst zu verweigern, genauer darlegen.

Zuerst möchte ich das Gewissen an sich aufgreifen: Das Gewissen wird im Allgemeinen als besondere oder spezielle Instanz im menschlichen Bewusstsein angesehen, welches das Handeln des Menschen beurteilt. Es legt die individuelle Einstellung zu Gut und Böse fest. Im Prinzip ist es angeboren, entwickelt sich aber im Laufe der Zeit immer weiter fort, vor allem in der Kinder- und Jugendzeit wird dieses Gewissen durch die elterliche Erziehung, aber auch durch das Umfeld Schule, Freunde, andere Verwandte und Bekannte gefestigt. Üblicherweise hat man ein gutes Gefühl, wenn man nach seinem Gewissen handelt. Man spricht dann von einem „guten Gewissen“. Handelt man indessen entgegen seinem Gewissen, so hat man ein schlechtes Gefühl, ein „schlechtes Gewissen“. Das hat zur Folge, dass man „Gewissensbisse“ hat. Viele „Gewissensbisse“, man handelt also andauernd gegen sein Gewissen, bewirken eine Zerstörung der eigenen Persönlichkeit, weil ein ständiger Kampf mit sich selber vonstatten geht oder wie Thomas Hobbes bereits sagte: “Das Gewissen eines jeden Bürgers ist sein Gesetz.”

Durch mein eigenes Gewissen, bin ich der Meinung, dass es Unrecht ist, das Leben eines anderen zu nehmen, denn Menschen sollten nicht über das Leben und den Tod eines anderen entscheiden dürfen und müssen. Zwar ist es so, dass ich im Kriegsfall nur Befehle befolge, aber letzten Endes bin ich derjenige, der die Waffe abfeuert und tötet. Schon den Gedanken einen Menschen zu töten oder zu verletzen, könnte ich niemals ertragen. Niemand könnte mich von dieser Schuld jemals befreien, auch wenn ich juristisch richtig gehandelt haben sollte.

Ich bin ein friedlicher Mensch. Streitigkeiten habe ich schon immer versucht mit Worten, anstatt mit Fäusten oder Waffen beizulegen. Meiner Meinung nach erzeugt Gewalt immer nur Gegengewalt, was man aktuell sehr schön an Israel und Palästina sehen kann. Die beste aller Möglichkeiten ist immer der Weg der Diplomatie, denn Krieg entsteht nur da, wo die Diplomatie versagt und Diplomatie darf in einer zivilisierten Welt nicht versagen. Es muss meiner Meinung nach im 21. Jahrhundert möglich sein, Konflikte friedlich zu lösen und nicht auf Kriege zurückzugreifen. Daher bin ich der Ansicht, dass Kriege Verbrechen gegen die Menschheit sind. Das Leben von Menschen wird missbraucht als Mittel für politische und ökonomische Zwecke.

Wenn ich an meine Kindheit denke, muss ich feststelle, dass meine Eltern, speziell meine Mutter, mir eine Erziehung gegeben haben, die aus Respekt und Achtung vor jedwedem Leben, Toleranz gegenüber Andersgesinnten und friedlichen, nicht gewalttätigen Lösungen von Konflikten besteht. Weiterhin las ich in meinem Leben auch sehr viele Bücher, die sich mit dem Thema Krieg und Waffen auseinandersetzen, wie z.B. „Krieg und Frieden“ von Leo Tolstoi, welches vom Russlandfeldzug Napoleons handelt und „Im Westen nichts neues“ von Erich Maria Remarque, von den Schrecken des I. Weltkrieges. Die Berichte in diesen Büchern zeigten mir auf, dass durch Kriege eine erschreckende Verwüstung und Verrohung eintrat. Gerade die unschuldige Zivilbevölkerung hat dieses durch militärische Auseinandersetzungen produzierte Leid zu ertragen. Dies zeigt ganz deutlich der letzte Krieg der Amerikaner im Irak oder der Krieg in Georgien. Mein Gewissen verbietet es mir aber strikt Leid jeglichen Ausmaßes zu verbreiten.

Auch mein Urgroßvater mütterlicherseits, welcher im zweiten Weltkrieg Soldat auf Seiten Mussolinis war, hatte einen sehr großen Anteil, an meiner Meinung. Er erzählte mir schon in meiner Kindheit erschreckende Einzelheiten über seine Erfahrungen als Sanitäter von schwersten Verwundungen und Amputationen an jungen teilweise noch nicht mal volljährigen Männern. Sogar Zivilisten waren unter diesen Opfern. Auch dies hat mich zu dem Entschluss gebracht Krieg und Gewalt in jeglichen Formen abzulehnen.

Ein gutes Beispiel wie wirksam gewaltfreie Lösungen sind, zeigt die friedliche Revolution in der ehemaligen DDR im Jahre 1989, bei dem die Bürger friedlich gegen das Unrechtsregime demonstrierten. Hätten die Bürger damals zu den Waffen gegriffen, wäre diese Revolution wahrscheinlich nicht so erfolgreich verlaufen, sondern mit Waffengewalt niedergeschlagen wurden. Im Gegensatz dazu endete die Französische Revolution – welche mit Waffen und Gewalt vonstatten ging – in Chaos und Anarchie.

Keinesfalls möchte ich mit diesem Antrag meinen Dienst dem Staat und der Allgemeinheit gegenüber verwehren. Vielmehr bin ich der Meinung, dass jeder die Verpflichtung hat, einen Dienst für sein Land zu leisten, doch dies in den Grenzen, die ihm sein Gewissen und seine Überzeugung setzen.

Ich möchte sehr gerne Zivildienst leisten, da ich so etwas Gutes tun und anderen Menschen helfen kann.

Ich bitte Sie um Anerkennung meiner Entscheidung.

Mit freundlichen Grüß

Christian Beuster

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