Der Spiegel im Bad (3)

Der Wecker klingelte wie immer um sechs. Und wie immer war er schon lange vorher wach. Warum er den Wecker überhaupt stellte, wusste er eigentlich nicht. Vielleicht war es das Gefühl wenigstens ein Bisschen Beständigkeit in seinem Leben zu haben und sei es nur das nervig, laute Klingeln des Weckers am Morgen.

Neuer Tag, neuer Akt.

Frank erhob sich von seiner Klappcouch – zu etwas anderen hatte er als Student kein Geld – und ging durch das Wohnzimmer zum Bad. Er stellte die Dusche an und fing an seinen Körper vom Schweiß der Nacht zu befreien.

Er würde sich wieder eine Ausrede einfallen lassen müssen, warum er nicht geschlafen hat.

Im Zweifel Arbeit. Am Ende ist das den Wichsern eh egal und sie begnügen sich damit.

Und so abwegig ist die Ausrede ja auch nicht. Er musste kurz lächeln, während er seinen Körper einseifte. Mit dem Abwaschen der Seife wusch er auch den Schlaf aus seinem Kopf.

Er stellte das Wasser ab und ging aus der Dusche. Jetzt war es wieder soweit. Er müsste mit seinem ärgsten Feind entgegen treten. Er seufzte kurz und hob seinen Blick, der bis dahin noch auf das unter dem Spiegel befestigte Waschbecken gerichtet war und hob seinem Blick zu seinem Ebenbild.

Fuck!

Frank unterdrückte den Wunsch Gewalt anzuwenden und schaute, ob es nötig ist, sich zu rasieren. Der Bart war noch einigermaßen kurz, also ist eine Rasur nicht notwendig. Man muss nicht länger als nötig bleiben. Seine Hand ging zur Zahnbürste, füllte einen Becher mit Wasser und kombinierte Zahnbürste mit der Zahnpasta. Während des Zähneputzens schaute er in die entgegengesetzte Richtung zum Spiegel. Und nachdem er fertig war auch nicht mehr in diese Richtung.

Nach der Morgentoilette zog er sich an. Er ging zu seinem Kleiderschrank, nahm sich eine Unterhose, Strümpfe, Hemd und Hose raus und zog diese an. Die Uhr zeigt sieben an. Er musste noch frühstücken bzw. irgendetwas essen. Er fühlte sich schwach und ausgemergelt. Die vergangene Nacht hatte ihre Spuren hinterlassen. Trotzdem entschied er sich dagegen und rauchte lieber auf dem Balkon noch eine.

Vielleicht geht es schneller.

Kurz vor halb acht. Er musste los. Er machte den Zigarettenstummel aus und schloss die Balkontür von Innen. Die Schuhe fanden schnell ihren Platz an seinen Füßen und auch der Rucksack ist schnell geschultert. Dank der hohen sommerlichen Temperaturen brauchte er keine Jacke und konnte im Hemd raus.

Zur FH, in der Straßenbahn.

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