Der Spiegel im Bad (4)

Zur FH, in der Straßenbahn.

Er ist müde, sauer, nicht ansprechbar und hasst die ganze Welt. Frank würde seinen Schwanz viel lieber wieder in ein Maul, Fotze oder Arschloch stecken, anstatt den Weg zur FH zu nehmen und ein paar langweiligen und sinnlosen Vorlesungen zuzuhören. Noch dazu sind da seine dummen Kommilitonen, von denen die meisten das Fach Informatik gewählt haben, weil es “was mit Computern” war und sie gerne zocken.

Wichser! Und nicht einer will mit mir ins Bett.

Während er sich seine Gedanken um die Hochschule und den Kommilitonen macht, bemerkt er, dass sich beim letzten Halt der Bahn, hinter ihm ein Halbstarker gesetzt hat. Damit man ihn ja nicht überhört, hat er sein MP3-Player mit dem Lied irgendeines deutschen “Ghetto-Rappers” auf volle Lautstärke gestellt, sodass der ganze Waggon etwas von diesem kulturellen Kleinod hat.

Seine Ohren werden es ihm danken.

Er lächelte ob des Gedanken.

Die Straßenbahn hält wieder, die Türen gehen auf. Eine Alte steigt ein. Sie setzt sich neben ihm. Sie hat sich wohl mit irgendeinem Parfüm eingesprüht.

Warum müssen solche alten Schabraken immer ihre herannahende Verwesung mit möglichst viel Gestank übertünchen?

Erneut hält die Straßenbahn. Erneut steigen Fahrgäste hinzu. Diesmal eine Mutter mit Kind. Sie setzen sich ihm gegenüber. Das Kind war aufgedreht, schlecht erzogen und hieß natürlich “Kevin”.

Wie sollte es auch anders sein.

Kevin bewies aber ganz überraschend Intelligenz. Er fragt viel und ihm fallen viele nebensächliche Dinge auf. Die Mutter war nicht intelligent. Für einen kurzen Moment tat ihm das Kind leid und zeigte eine kurze menschliche Regung, für einen kurzen Moment. Dann aber:

Nicht mein Bier.

Nicht, dass er Bier trinken würde, aber es war trotzdem nicht sein Bier.

Wieder hielt die Bahn. Die Alte stieg aus. Ein ekelhaft nach Pisse und Scheiße stinkender Penner stieg ein.

Natürlich

Im Gegensatz zu der Alten konnte man bei ihm den Gestank der herbeieilenden Verwesung riechen und auch sehen.

Bitte setzt dich nicht zu mir!

Er setzte sich zu Frank. Frank stand auf und verlies die Bahn bei der nächsten Haltestelle.

Die letzten paar Meter kann er auch gehen. Er hasste es zwar zu spät zu kommen, aber in diesem Fall war ihm seine Nase wichtiger, als das pünktliche Erscheinen zu einer Vorlesung, der er eh nicht folgen würde.

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